Im Dialog mit Afrika

Fächerübergreifendes Projekt
Mag. Ursula Preis

Unter dem Arbeitstitel "In Dialog mit Afrika" warfen die Klassen 1A, 2A, 4AB und 7 ABCD im Rahmen des Unterrichts Schlaglichter auf den "Schwarzen Kontinent". An vier Tagen (12.,13.,16.,17.) hatten Schüler Gelegenheit zu einem Trommelworkshop, das aus Mitteln des Bundeskulturbudgets finanziert wurde. Am Dienstag, dem 17. 4.07, wurden die in den Fächern( LüS, BE, ME, REL, GWK, GSK, E ) erworbenen Erkenntnisse und Fähigkeiten im kleinen Turnsaal des Gymnasiums den interessierten Eltern und Freunden zwanglos als "work in progress" vorgeführt.

"In Dialog mit Afrika"
Finanziert aus Mitteln des Bundeskulturbudgets
Projektidee und Gesamtleitung: Mag.Ursula Preis, Mag. Renate Kopitschek
Beteiligte Personen vor Ort: 1A,2A,4B,4A,7. Klassen; Kopitschek, Ohajiriogu,, Frank, Hitz, Grall, Pöppl, Preis, Part, Pöckl, Eggenhofer, Prohaska, Redl., Wendl, Grün.
Als Gäste: Dr.Joseph Matare, Babatola Aloba, R. Puchinger, Pfarrer J.Pichler, Salif.

Die Beiträge der einzelnen Fächer

Der Beitrag von Geschichte und Sozialkunde 7AC, Mag. Harald Hitz

Die Klasse untersuchte anhand des 14. und 15. Jahrhunderts, wie damals die politischen und wirtschaftlichen Strukturen in Afrika und Europa beschaffen waren. In Form eines Dialoges zwischen "Europa" und "Afrika" verblüfften die Schülerinnen Stephanie Kainz und Elisabeth Mundt die zahlreichen Besucher. Hätten Sie gewusst, dass es in Afrika um diese Zeit große Staaten wie Ghana und Mali gegeben hat, deren Reichtum auf großen Goldlagern basierte? Hätten Sie geglaubt, dass es um 1400 durch die Sahara doppelt so viele Verkehrs- und Handelswege gegeben hat wie heute? Dass Schwarzafrika damals wohlhabender war als Europa? Auch diese historischen Inhalte wurden durch passende Schaubilder erläutert.

Der Beitrag von Geographie und Wirtschaftskunde 7AC-Mag.Harald Hitz

Die Klasse ging der Frage nach, warum heute Afrika als ärmster und Europa als wohlhabendster Erdteil gelten und stellte als Erklärungsversuch die Dependenztheorie (auch Zentrum-Peripherie-Theorie genannt) vor.

Die Schülerinnen Stephanie Kainz und Elisabeth Mundt erklärten anschaulich die Kernpunkte dieser Theorie und wandten sie auf die Struktur des Bezirkes Waidhofen/Thaya an. Zentren sind demnach die Großstädte mit ihrem Umland mit einer Dominanz von Ober- und Mittelschichtbevölkerung und erfolgreicher Wirtschaftsstruktur. Peripherie hingegen sind eher die ländlichen Räume mit schwacher Wirtschaftsstruktur und Abwanderung. Weltweit erklärt sich so der Gegensatz zwischen den reichen Industrie- und den armen Entwicklungsländern. Die Klasse fertigte zur Dependenztheorie auch ein großflächiges Schaubild an, das graphisch die Inhalte der Theorie verdeutlichte.

Die Beiträge von Musikerziehung (1A, 2A, 4B, 7. Kl.)

1. Trommelworkshops auf Djemben aus dem Waldviertel

Dank der Mittel aus dem Bundeskulturbudget konnten gleich 2 hochkarätige Referenten afrikanischer Herkunft in das entlegene Waldviertel geholt werden.

An vier verschiedenen Tagen fanden für die genannten Klassen Trommelworkshops mit 3 verschiedenen Referenten hauptsächlich während der Unterrichtszeit statt. Die von der nicht unbeträchtlichen Lärmentwicklung ( die 2a hat immerhin 31 SchülerInnen ) betroffenen Kollegen waren bei der Schluss-Konferenz des1. Semesters um Nachsicht und Kooperation gebeten worden. Nur mit Hilfe und gegenseitigem Verständnis kann ein Vorhaben dieser Größenordnung überhaupt gelingen.

Die Referenten der Trommel-Workshops:

Babátólá Alóba , nigerianischer derzeit in Wien lebender Schriftsteller ( in einem technischen Beruf bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Wien angestellt ), führte die Schülerinnen der Klassen 1A, 2A, 4B und 7 ( ME) in die komplexe Welt afrikanischer Rhythmen ein. Nur mit wenigen präzisen Anweisungen holte der gelernte Pädagoge ( Universität in Nigeria) aus den Schülerinnen nach kurzer Zeit erstaunliche Klangergebnisse heraus.

Rainhard Puchinger

Der Waldviertler Trommelbauer erklärte den SchülerInnen an hand der 32 Djemben, die den Schülerinnen 4 Tage lang zur Verfügung standen, seine Philosophie des Trommelbaus. Auch er hatte für jede Klasse ein spezielles Programm vorbereitet. Die therapeutische Wirkung des Trommelns für den Einzelnen und eine Gruppe konnten die Schüler am eigenen Leib erfahren.

Dr. Joseph Matare,

angereist aus Neuburg an der Donau, war ursprünglich Spezialist für das MBIRA-Spiel, bevor er in England seinen Doktor in Musikwissenschaft und in Basel Konzertfach Kontrabass studierte. Heute arbeitet der aus Zimbabwe stammende Vollblutmusiker vor allem in der Lehrerausbildung an Universitäten in Deutschland und in der Schweiz.

Er ging näher auf die Technik des afrikanischen Trommels ein, führte den Schülerinnen die spezifischen Feinheiten afrikanischer Polymetrik vor und zeigte, dass für ihn das Singen, Bewegen und Spielen eine Einheit darstellen.

Viel Wissenswertes über verschiedene Kulturen Schwarz-Afrikas erfuhr man quasi nebenbei. Auch er hatte an zwei Tagen für jede Altersgruppe eigene Lieder und Rhythmuspatterns vorbereitet. Die Oberstufenklasse wurde in Englisch unterrichtet.

Gastschüler Salif

aus der 5. Klasse stellte der Klasse 4B "seine Band" ( bis zu 19 Leuten) aus seiner Heimat Burkina Faso in Form einer aufgenommenen Kassette vor und rappte live dazu. Die Schülerinnen waren einerseits vertraut mit dem Sound( amerikanische Popmuik) konnten auch verschiedene afrikanische Anteile ( Rhythmusinstr. Sprache, Tongebung) feststellen. Salif sang zum Abschluss mit den Mädchen der 4B die im Musikunterricht erarbeiteten afrikanischen Lieder, die für ihn neu waren.

3. Musik aus Afrika: Rhythmus-Melodie-Bedeutung


Neben altersgemäß gestaffelten rhythmischen Übungen mit Zweier und Dreierunterteilungen als Vorbereitung zu den Trommelkursen wurden Lieder erarbeitet, die eine "Geschichte" erzählen.: z.B: über weinende Mädchen, über den Eisenbahnbau in Rhodesien, über die Freilassung Nelson Mandelas und über religiöse Themen. In der Oberstufe standen musikethnologische Fakten, der Beitrag von Künstlern zu Abschaffung der Apartheitspolitik und das Thema "Mix von Kulturen" auf dem Programm

Im Fach Bewegung und Sport (Mag. Renate Kopitschek)



Dekoration (Mag. Kopitschek, Grall, Part)

Der Turnsaal unserer Schule wurde mit Stoffen aus Afrika (Leihgabe vom Weltladen Horn) und original Stammesmasken aus der Sammlung von Herrn Prof. Part dekoriert. Natürlich wurden auch die von den Schülern selbst bedruckten Stoffe präsentiert. Darüberhinaus haben viele SchülerInnen Buchstaben gezeichnet, die jeweils zu dem Wort AFRIKA zusammengefügt und an den Turnsaalwänden angebracht wurden. In den kleinen Kunstwerken wurde zu Papier gebracht, was man sich unter "Afrika" so vorstellt: bunte Farben und Muster, tropische Vegetation und natürlich viele Tiere. Afrika-Buchstaben

Speisenvergleich: WALDVIERTEL - AFRIKA (Nigeria)-Mag. Kopitschek, Ohajiriogu

Wir haben versucht, Grundnahrungsmittel beider Regionen zu vergleichen:
ERDAPFEL - YAMSWURZ
BROT - MANIOK
APFEL - KOCHBANANE (PLANTE)

Asiatischer Ursprung, wird heute im Süden der USA, in Südamerika und in Afrika angebaut. Die Wurzel hat weißes bis tiefrotes Fruchtfleisch und wird durchschnittlich 50 - 80 cm lang (je nach Sorte und Anbaugebiet). Yamswurz schmeckt süßlich und wird als Beilage (gebraten, frittiert), als Salat oder püriert gegessen.

MANIOK

Die tropische Maniok- oder Cassavawurzel wird in Lateinamerika, im Fernen Osten und in Afrika angebaut. Aus der Wurzel wird einerseits Speisestärke gewonnen, andererseits wird sie zu grießähnlicher Konsistenz verarbeitet. Man kocht daraus mit Wasser einen Grießbrei, den man mit den Fingern zu kleinen Bällchen knetet (FOUFOU). Diese werden in Sauce getunkt und mit den Fingern gegessen.

Als Ersatz für Maniok haben wir Weizengrieß verwendet - der dem Original geschmacklich sehr nahe kommt.

Zutaten für die Sauce: Hühnerfleisch, Spinat, afrikanisches Kürbismehl und verschiedene afrikanische Gewürze, die bei uns nicht gebräuchlich sind. Man bekommt sie nur in speziellen Geschäften in Wien.

KOCHBANANE (PLANTE)

In der Karibik und in Afrika sehr verbreitet, wird auch Mehl- oder Gemüsebanane genannt. Planten sind zum Rohverzehr nicht geeignet. Sie werden als Beilage zu sauren Speisen (gebraten oder frittiert) oder als Nachspeise gegessen.

Für die Materialkosten des Buffets baten wird um eine kleine Spende. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Besucher: wir konnten den "Spenden-Überschuß" in der Höhe von € 172,- an das Ghana Hilfsprojekt von Herrn Pfarrer Pichler überweisen.

REL Mag.Prohaska,Redl,Ohajiriogu

Pfarrer Sepp Pichler am Gymnasium Waidhofen/Thaya: Im Rahmen des Afrika-Schwerpunktes "Fichtenwald trifft Regenwald", der am Gymnasium Waidhofen vom 12.-17. April stattfand, kam auch Pfarrer Sepp Pichler wieder zu Besuch, um sich für die finanzielle Unterstützung seiner Projekte in Ghana in den letzten Jahren persönlich zu bedanken. Vormittags erzählte er den Schülerinnen und Schülern von seiner Arbeit in Ghana, wo er 14 Jahre lang tätig und erst Ende Februar zurückgekehrt war. Er zeigte Bilder und Filmsequenzen von Land und Leuten, brachte Fakten über die Wirtschaft, Ernährung, Gesundheit und Bildung in diesem an Bodenschätzen reichen Land. Dass dort auch heute noch Unterstützung für die Bevölkerung notwendig ist, liegt vor allem daran, dass es über Jahrzehnte und Jahrhunderte von den Industrieländern ausgebeutet worden ist. Dass wir hier mit Verantwortung tragen und sehr viel beitragen können - nicht zuletzt auch durch unser Kaufverhalten - führte uns Pfarrer Pichler sehr klar vor Augen. In dem Bewusstsein, dass wir alle in der einen Welt leben, sollte uns das Schicksal von AIDS-Waisen, übervorteilter Landbevölkerung und vieler unterbezahlter Plantagenbesitzer nicht unberührt lassen. Für die wiederholte finanzielle Unterstützung seiner Arbeit in Ghana bedankte sich Pfarrer Pichler schließlich auch am Abend bei der Abschlussveranstaltung des Projektes, bei dem wir im Turnsaal unserer Schule durch Trommeln, Tanz und afrikanische Dekoration in eine andere Welt versetzt wurden. Dass er unsere Schule nicht ohne ein wenig weitere Hilfe in Form von Spenden verließ, dafür sorgten Informationen über Fair-Trade-Produkte und ein Buffet mit afrikanischen Köstlichkeiten, an denen sich die zahlreich erschienenen Besucher laben konnten

Engagierte Schüler für Afrika 1A-Mag. Anita Pöckl

Schülerinnen der 1a des BG/BRG Waidhofen an der Thaya informierten die Besucher während des Projekts "Afrika" zu den Themenbereichen Regenwald, klimatische Verhältnisse, Vegetation und Tierwelt in den Tropen, die zuvor während des Unterrichts in Geographie aufbereitet wurden.

Ganz spontan engagierten sich die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse für das Aidswaisenkinderdorf von Pfarrer Josef Pichler in Ghana. Schülergruppen erklärten mittels selbst angefertigten Plakaten über die Vorteile ökologischer Bananen- und Kakaoplantagen und über Naturgefahren in den Tropen wie z. B. Hurrikans. Zudem verteilten sie Informationsfolder zu FAIRTRADE-Produkten. Es geht hier um das Konzept einer nachhaltigen sozialen Besserstellung aller Plantagenarbeiter und deren Angehörigen durch faire Preise für ihre Produkterzeugnisse. Keine Kinderausbeutung, sondern gute schulische Ausbildung, Verbesserung der medizinischen Versorgung, Erhaltung der kleinstrukturierten naturnahen Landwirtschaft und die Garantie hochwertiger Lebensmittel sind die Eckpfeiler dieser Philosophie.

Am Ende des Projektes konnten die Schülerinnen und Schüler der 1a einen stolzen Betrag von € 100,-- an das Waisenhaus nach Ghana überweisen.

Der Beitrag des Faches Englisch 7AC-Mag.Eggenhofer

In Englisch befasste sich die 7BD Klasse vor allem mit der Literatur des afrikanischen Kontinents, wobei festgestellt wurde, dass für die einheimische Bevölkerung noch immer die mündliche Überlieferung von Geschichten am wichtigsten ist. In ihrer Präsentation wurden vor allem Cliches dargestellt, die dann im Rahmen des "creativ writing" ad absurdum geführt wurden.


Fichtenwald trifft Regenwald

Unter diesem Titel präsentierten 90 SchülerInnen des Gymnasiums am 17.4.07 ihre Projekte im Turnsaal des Gymnasiums. Den eher nüchternen Turnsaal hatten Schülerinnen mit Hilfe von Frau Prof. Kopitschek und den Kunsterziehern Grall und Part wunderbar verwandelt.

In dieser stimmungsvollen Kulisse wechselten sich vor zahlreich erschienenem Publikum kurze Erläuterungen und musische Beiträge ab.

Die beteiligten Schülerinnen begrüßten das Publikum mit einem Lied aus Liberia. Die SchülerInnen der 7AC und Prof. Hitz behandelten die Frage, warum heute Afrika als ärmster und Europa als reichster Erteil gelten. In Form eines Dialogs verblüfften die Schülerinnen Mundt und Kainz das Publikum mit vielen Details über Afrika und Europa im !4. und 15. Jahrhundert.

Dr. Joseph Matare begeisterte durch seine authentische Animation und überragende Musikalität nicht nur die beteiligten SchülerInnen. Auch die Angehörigen klatschten und sangen begeistert mit, wenn er Lieder in seiner Muttersprache SHONA vortrug. Die SchülerInnen der 7BD mit ihrer Englischprofessorin Renate Eggenhofer vor ihrer Lesung von Texten in englischer Sprache, die einerseits Afrika-Klischees ausdrückten oder in Frage stellten.

Die Tänzerinnen der 4B führten in ihren im Zeichenunterricht bei Prog. Grall selbstgefertigten Röcken und Tüchern in vier Gruppen eigenen Choreographien, vor , die bei Prof .Renate Kopitschek im Turnunterricht eingeübt worden waren.. Mit Hilfe des aus Nigeria stammenden Religionslehrers Mag. Augustus Ohajiriogu wurde im Turnunterricht einafrikanischer Tanz zu einem traditionellen Volkslied in der Sprache IBO erarbeitet.

Unter Anleitung von Dr. Joseph Matare führte jede Klasse ein Trommelstück vor. Pfarrer J. Pichler, der am Vormittag anschaulich von seiner Missionstätigkeit berichtet hatte, bedankte sich für die längjährige Zusammenarbeit und für die Bemühungen um "Eine" Welt.

Nach der Veranstaltung im Turnsaal erwartete die Besucher im ersten Stock des Gymnasiums ein Buffet mit Kostproben aus beiden "Welten". Teller mit afrikanischen Speisen (Kopitschek, Ohajiriogu, Wendl, Grall und Grün) und selbstgebackenes Waldviertler Brot ( Wendl) wurden von den Erwachsenen und den SchülerInnen gemeinsam appetitlich arrangiert. Die RAIBA Waidhofen spendete die "Fair Trade"-Getränke.

In der Aula konnte man auch die im Unterricht bei Prof. Grall hergestellten Stoffe mit echten traditionellen Mustern aus verschiedenen Kulturen Afrikas bewundern. Im Werkunterricht bei Prof. Grall entstanden faszinierende Spiele, die gleich regen Zuspruch fanden.

Prof. Part stellte seine private Kollektion afrikanischer Stammeskunst in den Glasvitrinen in der AULA aus. Die 4B hatte Wissenswertes über Burkina Faso auf Poster gemalt. Die Klasse 7AC-hatte ihre Beschäftigung mit den Themen "Dependenztheorie" und "Vergleich Europa-Afrika im 15. Jahrhundert" in Schaubildern zusammengesfasst. Die Klasse7BD war mit Informationen zum Thema "Traditionelle afrikanische Instrumente' und ‚Apartheitspolitik und Musiker' vertreten.

Im Musiksaal wurde ein Film von Herrn Pfarrer Pichler über die Missionstätigkeit in Ghana gezeigt.

SchülerInnen der 1A Klasse informierten persönlich und mit einem Info-Stand über den Regenwald und Fair-Trade Produkte und konnten durch ihr Engagement beträchtliche Spendengelder lukrieren. Die eingenommenen freien Spenden wurden nach Abzug eines Material-Unkostenbetrages dem Ghana Projekt zur Verfügung gestellt.